Mosaikwerkstatt Dresden

Mosaicista Mosaizist Mosaikbildner

Philosophie der Mosaikwerkstatt Dresden

Mosaikbildner aus Liebe zum Kunsthandwerk Mosaik.

Neue Interpretationen der Mosaikkunst.

 

 

 

 

 

 

Da hierzulande leider ein sehr fälschliches Bild von Mosaik vorherrscht,

zu oft ausschließlich assoziiert mit kleineren Fliesen (Meterware auf Matte),

Swimmingpools und Bädern,

halte ich es für notwendig,

den Beruf des Mosaikbildners näher zu beleuchten.

 

 

Mosaike begleiten schon seit Menschengedenken unsere Kulturgeschichte.

Anfangs als naive schwarz/weiß Darstellung von Göttern und Tieren

aus Kieselsteinen und anderen Naturmaterialien,

bis hin zu der am weitest verbreiteten,

immer filigraneren und auch figürlichen Werken

aus verschiedenfarbigen Marmorwürfeln.


Später entwickelte man eine spezielle Technik zur Herstellung von „smalten“,

den heute noch am häufigst benutzten italienischen „Glassteinchen“,

welche Pizzaförmig gegossen und dann manuell zu Mosaiksteinchen geschlagen werden

und in allen erdenklichen Farbnuancen erhältlich sind.


Eine erste durchaus Zeitaufwendige Aufgabe des Mosaikbildners ist es also,

nach der Wahl der Materialien,

diese mit einem Mosaikhammer oder einer Mosaikzange in die entsprechende Form zu bringen,

meist quadratische Würfel von durchschnittlich einem Quadratzentimeter oder kleiner.


Fast unvorstellbar,

betrachtet man die riesigen Fußboden & Wandmosaike,

welche uns z.B. in Aquileia oder Pompej erhalten geblieben sind

(und damit auch die Beständigkeit von guten Mosaiken deutlich machen),

- jedes einzelne Steinchen wurde per Hand zurecht geklopft.

 


Als nächstes kommen wir zur Anordnung dieser Teile, der „tessere“,

wie man sie aus dem italienischen hergeleitet,

im Fachjargon bezeichnet.


Im Gegensatz zur heutzutage gern benutzten „Pixelart“, der Rasterförmigen,

mathematischen und somit am Computer berechenbaren Art der Teilchenlegung (opus quadratum),

die historisch nur partentiellen Einsatz bei Mosaiken hatte (etwa als Hintergrundgestaltung),

liegt die hohe Kunst des Mosaiklegens im „andamento“(der Verlauf).

Dieser ebenfalls aus dem italienisch stammende Begriff

ist ein wesentlicher Faktor für die Dynamik und Ausstrahlung eines Mosaikes,

gekonnt eingesetzt

oder bewusst vernachlässigt,

ein maßgeblicher Einfluss

auf die plastische Wirkung eines Werkes, des 3D Effektes.

 

 

Was mich immer an großen klassischen Mosaiken faszinierte,

ist die empfundene Leichtigkeit,

welche diese aus schweren Stein gefertigten Werke ausstrahlen,

eine Mischung aus Zeitloser Qualität und legerer Eleganz.

Zum einen geschieht dies durch die eben erwähnte Anordnung der Mosaiksteinchen

und zum anderen

haben die Zwischenräume beim Mosaik eine ganz besondere Stellung.

Sie lockern das Bild auf und unterstützen,

ähnlich der bewusst gesetzten Pausen in der Musik,

die Vibration & Lebendigkeit des Kunstwerkes.

Im Mosaikhandwerk ist es von daher,

wenn es sich nicht gerade um ein Fußboden oder Badmosaik handelt,

üblich, die Arbeiten nicht zu verfugen.

 


Neben der Linienführung und den Fugen

erzielt auch die unterschiedlich gebrochene Oberfläche und Teilchenhöhe

eine besonders charakteristische Wirkung.


Ein Mosaik kann dadurch und durch verschiedene Blickwinkel

ständig andere Facetten der Lichtspiegelung wiedergeben

und in immer wieder neuem Glanz lebendig strahlen.




Zu mir:


Auf einer Italienreise wurde ich 1995 auf das Mosaikhandwerk aufmerksam, war begeistert von der warmen Ausstrahlung und der überwältigenden Wirkung der Kunstwerke.

Besonders die byzantinischen Kirchen in Ravenna, mit diesen ultraintensiven Farben und dieser Wandteppichartigen Struktur beeindruckten mich enorm, vor allem weil diese Kunsthandwerkstechnik so anders wirkte, als die sonst eher abgehobene kalte Art, wie ich prunkvolle Kirchenverzierungen kannte.

Nie zuvor hatte ich jemals soviel Wärme und Gemütlichkeit in einem so reich verziertem Gotteshaus empfunden.

Die Wand und Kuppelmosaiken schienen wie gestern erschaffen und doch waren sie so alt.
Ich besuchte die „Scuola Mosaicisti del Friuli“ im norditalienischem Städtchen Spilimbergo und war besessen von der Möglichkeit, dieses alte Handwerk in der heutigen Zeit erlernen zu können.

In Deutschland existierte diese Ausbildung nicht und auch für mich hatte der Begriff Mosaik bis zu diesem Zeitpunkt eher die Verknüpfung zu einem gleichnamigen Comicmagazin.

Obwohl ich der italienischen Sprache nicht mächtig war und bei Italienern im Gespräch immer das Gefühl hatte,

einem heftigen Streitgespräch beizuwohnen, entschloss ich mich für den Sprung ins kalte Wasser

und veranlasste alles nötige um diese Ausbildung in Italien absolvieren zu können.

1996 fing ich also meine Ausbildung zum „mosaicista“ in Spilimbergo an, motiviert vom Gedanken,

bald eigene Mosaike erschaffen zu können.

Nach dem ersten Ausbildungsjahr beherrschte ich dann endlich die Grundzüge der Italienischen Sprache,

doch empfand ich die friaulische Mosaiktechnik und die Lehrmetoden als für meine Begriffe

zu einseitig und festgefahren.


Zum Glück hatte uns ein Schulausflug in die berühmte Stadt des Mosaikes, Ravenna geführt und so entschloss ich mich kurzerhand  dort meine Ausbildung weiterzuführen um andere Techniken des Mosaikhandwerkes kennenzulernen. In der neuen Wahlheimat besuchte ich zunächst einmal ca. ein halbes Jahr die Accademia di belle arti als Gaststudent im Mosaikstudiengang um danach an der Mosaikschule „Albe Steiner“ intensiv in die Mosaikwelt einzutauchen

und meine Lehre letztendlich mit der Bestnote abzuschließen.

Wir lernten dort in erster Linie, antike Mosaiken 1:1 zu kopieren

(fertigten u.a. ein großes Wandbild mit klassischem Motiv für ein Restaurant auf Mykonos/Griechenland

und montierten es vor Ort) aber auch einen individuellen Blick auf die Arbeit zu behalten.

Ich hatte eine fantastische Zeit und großartige motivierende Lehrer.

Besonders angetan war ich von den Arbeiten Marco Bravuras,

welcher als Gastdozent für modernes Mosaik Unterrichtsstunden gab.
Er und seine Tochter Dusciana sind international anerkannte und berühmte Mosaikkünstler

und ich bin beiden sehr dankbar für ihre freundliche Inspiration und Motivation

jenseits der Kopien alter Werke,

in der Mosaiktechnik weiter zu forschen und neue,

eigene Wege zu entdecken.

Es entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit

und ich durfte Mitwirkender an insgesammt drei seiner großen Mosaikprojekte werden.

Das interessanteste davon sicherlich „ardea purpurea“

ein gigantisches Mosaik/Wasserspiel von 7m Höhe,

welches unter feierlicher Zeremonie als Kunstgeschenk Italiens an Libanon nun in Beirut steht.

Für einen Laden nahe der berühmten Kirche San Vitale erhielt ich den Auftrag,

eine Serie kleinerer Mosaike für Touristen zu fertigen

und nach Ende der Ausbildung arbeitete ich ein weiteres Jahr

für und mit Marco Bravura an dessen Projekten.

 

Irgendwann zog es mich wieder in meine Heimatstadt Dresden

und beseelt von der Idee,

diese faszinierende und eigenständige Technik der Kunst nach Deutschland zu bringen,

formte sich allmählich die Mosaikwerkstatt Dresden.

 

Das Kunsthandwerk Mosaik ist für mich erfrischender weise

nach wie vor eine abenteuerliche Reise voller Möglichkeiten.

Die Faszination der kleinen Steinchen,

Badgestaltungen mit gezielt gebrochenen Fliesen

und Experimente mit neuen Materialien

entwickelt sich ständig weiter

und meine Werkstatt in der

Ateliergemeinschaft Verzahnungsfabrik

bietet mir optimale Bedingungen

besonders durch den kreativen Austausch mit anderen

Künstlern und Kunsthandwerkern,

meine Liebe zum Mosaik bewahren

und ausbauen zu können.

Aufwendige und immer einzigartige Werke entstehen hier,

eine freie Interpretation der alten Traditionen,

künstlerische und experimentelle Gestaltungen

mit dem Medium Mosaik.

 

Wandgestaltungen oder Objektdesign;

Fusionen mit anderen Kunsthandwerkern;

Zusammenspiel unterschiedlichster Elemente wie Holz, Lehm oder Eisen. 

 

...

Einst stand eine Besucherin in meiner Werkstatt und suchte nach dem geeigneten Verb,

um zu erfahren, ob ich denn mit der Arbeit an einem Mosaik beschäftigt bin.

Ich kam ihr entgegen indem ich sagte: „ja, ich mosaiziere gerade“.

Tatsächlich sehe ich persönlich bei meinen Arbeiten eine Parallele zur Musik.

Entstammen doch beide Begriffe

letztendlich dem selben Wortstamm:

der Muse.


Musik als Mosaik,

Melodien aus Stein

Vibrierender Glanz,

schwungvolle Kraft,

ewig strahlende Farben & Formen

aus Liebe zum Schönen geschaffen –

um zu bleiben und zu erfreuen.


Ein Anker und Ruhepol,

der leise aber kraftvoll,

den sich selbst überschlagenden Rhythmus unserer Zeit

belächelt & überdauern wird.

 

 


Ein Mosaik ist mehr als die Summe seiner Teilchen.